Ecaterina Vrana – Between Two Worlds

07 June – 03 August 2018

The work of the Romanian artist Ecaterina Vrana (born 1969 in Constanta, Romania) is based on „la petite histoire” of her own existence. At the same time, it appears like a library of the past, in which individual fragmentary, kaleidoscopic details can be found out of memory. This revitalization takes place in the context of a subjective spontaneity, without an intentional dramaturgy. Ecaterina’s large-format paintings are the subject of subtle observations; claiming a reinterpretation of a past marked by illness they become a plea for the joy of life. Inspiration comes out of your own life instead out of theory.

As Ecaterina herself says: “I’m the one who goes through snow, through air, through grass, through the clouds … strong and in the end I stand there as a winner. The tears from my paintings are tears of joy and I wish that the people who see them will enjoy the beauty of life. Every single painting of mine is a beginning without an end“. Thus, the figures of Ecaterina cry tears in an infinite circle of life, the sadness of yesterday, the joy of tomorrow. The self portraits show her as a girl, creatures with blond hair, in a gloomy landscape, longing for scribblings on the dress, as in ‘I’m missing my sixteens! ‘ (2017), or, as in two more recent paintings, either lying on an uncomfortable bed in a bridal gown that she never personally wore, or brave in a tête-à-tête with the viewer, with large, strongly contoured eyes and a heart-shaped mouth. The self portraits are images of an eternal youth, with no sign of an aging body’. The figure does nothing, instead it appears like its own shadow.

The actors of this picturesque world are inflexible and silent, emerging as if conjured by a sort of magic from the mass of color. Not rarely they also appear in a twin tandem, woman and man, a dualism of love and hate, present and past. Although most of the images are autobiographical, from time to time a sociocultural context emerges, as in Ayşe (2017), through which the artist wanted to show “an impossible love between a Jewish man and a Muslim woman.“ The general, such as the almost omnipresent symbol of the chicken in Ecaterina’s works, is negotiated privately, as an element of individual mythology – the chicken as an obsessive, representative motif of a happy childhood. The cute animals from the Garden of Eden from childhood are their companions, comrades, arising from their memory. The rigid characters of Ecaterina Vrana are always the protagonists of an almost empty scene, which, as in the Chinese view, becomes the site of true destiny. The anatomy of the figures does not always seem to be complete – instead of feet, there are dainty flowers growing, instead of arms sprinklers.

Ecaterina manages to create paintings with an emotional aura. That’s what makes her work so strong. She creates processed images of a place from the depth of her self, which calls upon her again and again to pay attention to these pictures … As Joachim Ringelnatz wrote:
Past, gone without woe
Though never forgotten.
I rove.
Long lasting things are slow
And mauve.

Das Werk der rumänischen Künstlerin Ecaterina VRANA (geb.1969 in Konstanza, Rumänien) richtet sich an “la petite histoire” der eigenen Existenz und erscheint zugleich wie eine Bibliothek der Vergangenheit, in der sich einzelne fragmentarische, kaleidoskopische Details aus der Erinnerung wiederfinden. Dieses Wiederbeleben passiert ohne eine angestrebte Dramaturgie, sondern eher tributär einer subjektiven Spontaneität. Dieses Wiederbeleben findet im Rahmen einer subjektiven Spontaneität statt, ganz ohne eine angestrebte Dramaturgie. Ecaterinas großformatige Gemälde sind Gegenstand subtiler Beobachtungen und beanspruchen damit die Umdeutung von einer von Krankheit gekennzeichneten Vergangenheit zu einem Plädoyer der Freude des Lebens. Inspiration folgt so aus eigenem Leben statt Theorie.

Wie Ecaterina selbst sagt: “Ich bin diejenige, die durch Schnee, durch Luft, durch Grass, durch die Wolken geht… stark und am Ende stehe ich da als Gewinnerin. Die Tränen aus meinen Gemälden sind Tränen der Freude und ich wünsche mir, dass die Menschen, die sie sehen, sich an dem Schönen des Lebens erfreuen. Jedes Einzelne meiner Gemälde ist ein Anfang ohne Ende”.

Somit weinen die Figuren von Ecaterina Vrana Tränen wie in einem unendlichen Kreis des Lebens, die Traurigkeit von gestern, die Freude von morgen.
Die Autoporträts zeigen sie als Mädchen, Geschöpfe mit blonden Haaren, in düsterer Landschaft, mit Sehnsucht geladene Kritzeleien auf dem Kleid wie in I’m missing my sixteens! (2017), oder, wie in zwei aktuelleren Bildern, entweder liegend auf einem unbequemen Bett in einem Brautkleid ähnlichen Gewand, das sie persönlich nie trug, oder mutig in einem tête-à-tête mit dem Betrachter, mit großen, stark konturierten Augen und herzförmigem Mund. Die Autoporträts sind Abbildungen einer ewigen Jugend, kein Zeichen des Welkens des Körpers lässt sich erkennen. Die Figur tut nichts, sie erscheint wie der Schatten ihrer Selbst.
Die Statisten dieser malerischen Welt sind unbiegsam und schweigsam und wie durch eine Art von Zauber aus der Masse der Farbe beschworen. Nicht selten erscheinen sie zudem in einem zwillingshaften Tandem, Weib und Mann, ein Dualismus von Liebe und Hass, Gegenwart und Vergangenheit.
Obwohl die meisten Bilder autobiografisch sind, entsteht ab und zu, wie in Ayșe (2017), ein soziokultureller Kontext, durch den die Künstlerin “eine unmögliche Liebe zwischen einem jüdischen Mann und einer muslimischen Frau“ zeigen wollte.

Das Allgemeine, wie beispielsweise das fast allgegenwärtige Symbol des Kükens in Ecaterinas Werken, wird im Privaten verhandelt, als Element einer individuellen Mythologie – das Küken als obsessives, repräsentatives Motiv einer glücklichen Kindheit. Die niedlichen Tiere aus dem Garten Eden kindlicher Zeiten sind ihre Begleiter, Gefährten – ja, schließlich, so wie uns die Erinnerungen sind.
Die starren Charaktere von Ecaterina Vrana sind immer Protagonisten eines fast leeren Schauplatzes, der, wie in der chinesischen Sicht, der Ort wahrhaftiger Bestimmung wird. Die Anatomie der Figuren scheint nicht immer vervollständig zu sein – statt Füßen wachsen zierliche da Blumen, statt Armen wachsen Sprinkler.

Ecaterina gelingt es, Gemälde mit einer emotionalen Aura zu schaffen. Das macht ihr Werk so stark. Sie schafft verarbeitete Abbildungen eines Ortes aus der Tiefe ihres Selbst, welcher sie immer wieder dazu auffordert, diesen Bildern Beachtung zu schenken… Wie Joseph Ringelnatz dichtete:
Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.