Susumu Kamijo –
I'll Follow You To The Sunset

by Klara Niemann

Seit nun etwa drei Jahren malt Susumu Kamijo Pudel. Längst sind dadurch die bunten, flauschigen Vierbeiner zu einer Art persönlichem Markenzeichen mit hohem Wiedererkennungswert geworden. Wiederkehrende Elemente wie etwa die mit einem Horizont angedeuteten Landschaften oder die Kreisform im Hintergrund, die sich je nach Farbigkeit als Sonne oder Mond deuten lässt, lassen die Hochformate als Serie auftreten. Kontrastiert werden diese Aspekte der Serialität jedoch durch die besonderen Charakteristika der abgebildeten Pudel. Durch ihre individuelle Körperhaltung und ausgearbeitete Mimik scheint jedes Tier eine eigene Persönlichkeit zu besitzen, die sich auf dem Papier offenbart. Ob sie in einer Gruppe, für sich stehend oder in Interaktion mit einem Menschen begriffen sind, manche wirken verspielt, andere ein wenig albern und wieder andere sogar stolz. Zwischen den Mitteln der Wiederholung treten die Abweichungen zwischen den einzelnen Bildern erst besonders zum Vorschein. Kamijo gelingt es auf diese Weise, zum Porträtisten dieser Hunde in Serie zu werden.

Dabei geht es ihm weniger um das abgebildete Tier selbst, als um dessen Gestalt. Denn was Kamijo dazu bewegte, sich dem Pudel als Motiv zu widmen, sind seine speziellen Körperformen – insbesondere der frisierten und geschorenen Hunde. Seit dieser Entdeckung, die er eines Tages beim Spazierengehen mit dem Hund seiner Freundin machte, orientiert sich Kamijo mit seinen Zeichnungen an Fotografien von Hundeshows oder aus Magazinen, aus denen er eine strenge Auswahl trifft und sich diese dann zum Vorbild für seine eigenen Arbeiten nimmt. Schon immer ist Kamijo dabei von Form und Farbe als den Grundelementen aller Bilder fasziniert. Mithilfe der Pudel strebt er danach, diese nun bestmöglich auszureizen. Mit diesem Anspruch geht in seiner künstlerischen Praxis auch das Entstehen einer Spannung zwischen Figur und abstrahierenden Momenten einher.

Ein kunsthistorischer Einfluss dafür ist Kamijos besondere Begeisterung für die deutschen Expressionisten. Sie schufen mit einem dicken Auftrag von deckenden, leuchtenden und auch dunklen Farben wirkungsreiche Bildoberflächen. Tatsächlich lassen sich (ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt) einige Parallelen zu dieser Inspirationsquelle in Kamijos Werk finden. Zuerst fallen die bunten und kontrastreichen Farbkonstellationen auf. Wegen ihrer groben Ausarbeitung erinnern zudem die Umrisse und flachen Farbblöcke an den Stil der damals wiederentdeckten Holzschnitttechnik. Vor allem aber halten sich bei Kamijo ähnlich wie im Expressionismus Abstraktion und Figürlichkeit die Waage. Trotz eines intensiven und überwirklichen Ausdrucks im Bild bleibt der Bezug zum Motiv sowie der Realität erhalten und gibt Betrachter*innen so einen Halt in der spannungsreichen Farb- und Formwirkung: Es scheint schließlich ganz eindeutig, dass Pudel abgebildet sind. Fokussiert man jedoch einzelne Partien, scheinen sie sich in Punkte und kurze Striche aufzulösen. Indem Kamijo sich hierbei bewusst für den Gebrauch von Pastell auf Papier entscheidet, kommt eine ganz eigene Textur und Haptik zu seinen Bildern hinzu, die die abstrahierenden Elemente zusätzlich hervorheben. Gemusterte Flächen zum Beispiel wirken dadurch dynamisch und unruhig. Auch leuchtende Farben verniedlichen das banale Motiv nicht, sondern bilden den aufregenden Kontrast zu einem satten Schwarz, das je nach Einsatz Statik oder zusätzliche Dynamik ins Bild bringt. Kamijos Pudel gehen weit über das abgebildete Tier hinaus. Sie sind vibrierende Konstellationen von Farb- und Formreizen, die als Hybrid aus Porträt und Abstraktion jede Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

For about three years now, Susumu Kamijo has been creating pictures of poodles. These colourful, fluffy four-legged creatures have long been a kind of personal trademark, immediately recognisable. Recurring elements – landscapes suggested by a horizon, or the circular shape in the background that may be interpreted as the sun or the moon, depending on its colour – mean that these portrait format pieces can be seen as a series. But the sense of sequence contrasts with the specific characteristics of the poodles depicted. The different body postures and detailed facial expressions of each animal confer a distinct personality on every individual image. Whether they’re in a group, standing alone or understood to be interacting with a human, some seem playful, others somewhat goofy and others as quite proud, even. It is in the repetition that the differences between individual images initially become especially apparent. Kamijo thus succeeds in this series in becoming the dogs’ portraitist.

For him, it is less about the animal being depicted itself than its form. What motivated Kamijo to choose poodles as the subject of his art was the peculiar shapes of their bodies – particularly those that are clipped and coiffed. Since this discovery, which he made one day whilst out walking his girlfriend’s dog, Kamijo has used photographs from dog shows or magazines as inspiration for his drawings, meticulously selecting the ones he wishes to use as models for his own work. Kamijo has always been fascinated by the fundamental elements of shape and colour in all images. With the poodles his aim now is to exploit these elements to their full potential. Guided by this aspiration, a tension between figurative and more abstract emerges as integral to his artistic practice.

One of Kamijo’s major influences from art history is his passion for the German Expressionists. They created impactful images with the heavy application of opaque, vibrant and even dark colours. And (whether he intends it or not) parallels with his source of inspiration can indeed be found in Kamijo’s work. The first to strike the viewer is the contrasting constellations of colours. The rough execution of lines and flat blocks of colour are also reminiscent of the woodcut style that was rediscovered at that time. But more evocative of Expressionism than anything is how Kamijo’s work balances the abstract and the figurative. Despite the hyper realistic intensity of the image, its relation to its subject and to reality remains intact, keeping viewers grounded amidst the dynamic impact of colour and shape: it is, after all, entirely clear that what is being depicted is poodles. Yet if you focus on individual sections, they appear to break up into dots and short lines. And Kamijo’s conscious choice of paper and pastels also gives his pictures their very own texture and feel, further accentuating the abstract elements. It makes patterned surfaces, for example, seem dynamic and turbulent. And as for the vibrant colours, rather than playing down the somewhat banal subject, they form an exciting contrast with a rich black that, depending on how it is employed, either brings a sense of solidity to the image or adds to its dynamism. Kamijo’s poodles are so much more than the animals they depict. They are vibrant constellations of stimulating colours and shapes, hybrids between portrait and abstract art that command the attention of anyone who sees them.