Wojciech Fangor:
A Portrait of the Artist


Gnyp Gallery has the great pleasure of presenting a selection of works by the Polish American artist Wojciech Fangor (1922–2015) spanning a period of forty years. For the first time the Berlin public will be able to follow the artist’s development from his early paintings made during the 1940s through various phases of his artistic investigations until the 1980s. Fangor is not unknown to the city; in 1965 he was a participant of the Ford Foundation Berlin’s Artists in Residence program and had a solo show at Galerie Springer the same year. This exhibition attempts to give some insight into Fangor’s very rich and diverse oeuvre that has extended over 70 years, two continents, and various artistic mediums.

The personal life and artistic career of the artist have been inseparably linked to the grand historical shifts of the 20th century. Born in Poland to a wealthy industrial family, Fangor got the opportunity to develop his remarkable talent from a young age. The Second World War, however, formed the first breaking point in his life; not only did it disrupt artistic education but it also resulted in a new political system, which in turn pushed the young artist into the only artistic style possible, socialist realism. Despite successes as a celebrated socialist realist painter (he produced the famous propaganda painting Korean Mother from 1952) Fangor shifted his attention to spatial experiments, often cooperating with his architect friends. Exploring the spatial possibilities of art in general and painting in particular, in 1958 Fangor constructed A Study of Space, the first “environment” ever made. After this exhibition, the director of the Stedelijk Museum in Amsterdam, Willem Sandberg, invited him to make a similar work in Amsterdam, while the American gallery owner Beatrice Perry offered him a show in the US.

Gradually, Fangor found his own artistic language that aimed to make abstract paintings that create a physical impact in space. Fangor: “I discovered that my paintings with diffused edges of color and shape create a spatial illusion, which is not directed to the inside of the surface (like perspective), but extends in the opposite direction toward the outside of the surface into the real space between the painter and the viewer. A new kind of spatial illusion. This discovery might have originated from my interest in astronomy and my fascination with optical instruments, with the effects of shifting the image in or out of focus. But it took some time to find the rational theory of this phenomenon. All important discoveries originate from unconscious intuition.” Later on he will discover that despite his isolation his works have connected to the most interesting Western artists such as Joseph Albers or Mark Rothko; the former being a big admirer of Fangor’s abstractions.

In the period 1951–61 Fangor was also active as a designer of posters, which later became known as the Polish Poster School. Using collages, texts, drawings, and photography Fangor succeeded in creating his own graphic language of symbols and metaphors, which is relevant to this day. Fangor quickly realized that the communist system was a utopia but it took several years before he could leave the country. Residencies in various parts of the world offered him the possibility to extend his artistic investigations. After short stays in Vienna, Paris, Bath, London, and Berlin, Fangor finally ended up in the US together with his wife, Magdalena Shummer-Fangor. In New York he participated in important exhibitions such as The Responsive Eye at MoMA in 1965, and had a solo exhibition at the Guggenheim Museum in 1970. Although Fangor’s mature abstract circles, waves, and squares rendered using his outstanding painting skills were well-regarded, the artist embarked upon a new phase of painting in the 1970s in which he explored figuration. In this time he conceived for example the so-called TV paintings that related to the omnipresence of the mass media and their intermediary role in perceiving reality.

Perhaps due to his job as professor at the Fairleigh Dickinson University in New Jersey, comfortable sales of his works, a happy private life, and his aversion to groups, Fangor never became a member of the New York art scene and never undertook efforts to be visible in the art discourse. After his retirement from the university and a period in Santa Fe he returned to Poland in 1999; he continued making art until his death.

In cooperation with FANGOR FOUNDATION

Gnyp Gallery zeigt erstmalig in Berlin eine Auswahl von Werken des polnisch-amerikanischen Künstlers Wojciech Fangor (1922-2015). Die Ausstellung umfasst eine Schaffensperiode von vierzig Jahren, angefangen von seinen ersten Werken aus den 1940er Jahren, bis hin zu seinen Bildern die in den 1970er Jahren entstanden waren.

Fangor sollte in Berline kein Unbekannter sein. 1965 nahm er an dem Residence Program der Ford Foundation teil. Noch im selben Jahr erhielt er eine Einzelausstellung in der Galerie Springer. Die in der Gnyp Gallery gezeigten Arbeiten gewähren einen Einblick in das sehr vielfältige und ideenreiche Oeuvre Fangors, das einen Zeitraum von über 70 Jahren, sowie die Arbeit auf zwei verschiedenen Kontinenten mit unterschiedlichen kreativen künstlerischen Medien umfasst.

Sowohl das Privatleben, als auch das künstlerische Schaffen des Malers sind eng mit den großen historischen Veränderungen und Umschwüngen des 20. Jahrhunderts verwoben. Der in Polen geboren und aufgewachsene Künstler hatte von klein auf die Chance sein Talent auszuleben, da er in eine vermögende Industriellenfamilie hineingeboren wurde, der es möglich war , seine Kreativität ausgiebig zu fördern. Der erste große Bruch im Leben Fargors war der zweite Weltkrieg. Im Zuge dieser Ereignisses endete nicht nur gezwungenermaßen seine künstlerische Ausbildung, der Krieg brachte ein vollkommen neues politisches System hervor, das den jungen Künstler zwang, im Stil des sozialistischen Realismus zu arbeiten.

Obwohl er in diesem Bereich sehr erfolgreich war (von ihm stammt das bekannte Propaganda-Werk Koreanische Mutter im Jahr 1952), konzentrierte sich Fangor später auf Experimente mit dem Thema des „Raumes“, bei denen er oft mit Freunden zusammenarbeitete, die als Architekten tätig waren. Im Zuge dessen konstruierte Fangor im Jahr 1958 das erste je entstandene „environment“ mit dem Titel A Study of Space. Nach diesem künstlerischen Durchbruch bat Willem Sandberg, damaliger Museumsdirektor des Stedelijk Museums, Fangor um ein ähnliches Werk, das in Amsterdam ausgestellt werden konnte. Zur gleichen Zeit bot die amerikanische Galeristin Beatrice Perry dem Künstler eine Ausstellung in den Vereinigten Staaten an.

Mit der Zeit entdeckte Fango seinen eigenen künstlerischen Weg, der abstrakte Werke umfasst die einen räumlichen, körperhaften Eindruck erwecken. Fangor äußerte sich wie folgt: „Mir fiel auf, dass meine Werke, die eine Mischung aus diffusem Licht, Kanten und spezieller Farbe und Form sind, eine Art räumliche Illusion hervorrufen. Diese ist nicht vergleichbar mit der normalen Form der Perspektive, das heißt, sie ist nicht auf das Innere der Oberfläche gerichtet, sondern nach außen hin. Sie schafft sozusagen einen realen, fassbaren Raum zwischen dem Betrachter und dem Künstler. Es handelt sich um eine gänzlich neue Form der räumlichen Illusion. Ich kann mir vorstellen, dass der Ursprung dieser Entdeckung das Bild aus dem Fokus zu rücken in meinem Interesse für Astrologie und meiner Faszination für Optische Instrumente liegt, allerdings hat es mich ein bisschen Zeit gekostet bis ich dieses Phänomen rational erforschen und somit auch erklären konnte. All diese wichtigen Entdeckungen resultieren aus reinen Intuition.“ Später konnte Fangor feststellen, dass seine Werke, trotz des isolierten Schaffens in Polen, eine Verbindung zu den interessantesten westlichen Kunstschaffenden wie Joseph Albers oder Mark Rothko haben. Letzterer war übrigens ein großer Bewunderer der abstrakten Kunst Fangors.

Im Zeitraum von 1951-1961 war Fangor auch als Poster-Designer tätig, später ging diese Kunstpraxis als „die polnische Schule der Plakatkunst“ in die Kunstgeschichte ein. Hier bediente sich der Künstler verschiedener Medien wie Collagen, Texten, Zeichnungen und Fotografien um eine Art Zeichensprache die Symbole und Metaphern beinhaltet zu kreieren. Diese Form der Plakatkunst ist noch heute allgegenwärtig und relevant.

Fangor begriff schnell, dass es sich bei dem Kommunistischen System um eine reine Utopie handelte, trotzdem musste er viele Jahre in Polen fristen ehe er das Land verlassen konnte. Residencies die auf der ganzen Welt verstreut waren, gaben ihm die Möglichkeit sein künstlerisches Schaffen und seine Forschung auf dem Gebiet der Kunst weiterzuführen. Nach kurzen Aufenthalten in Wien, Paris, Bath, London und Berlin, zog es Fangor mit seiner Frau Magdalena Shummer-Fangor, in die Vereinigten Staaten. Er nahm an wichtigen und bekannten Ausstellungen wie The Responsive Eye im MoMA New York in 1965 teil. 1970 hatte er eine Einzelausstellung im Guggenheim Museum. Obwohl Fangors herausragende künstlerische Leistung, die abstrakte Formen wie Kreise, Wellen und Vierecke beinhaltet hoch angesehen war, entschloss der Künstler sich einer neuen Aufgabe zu widmen. So entstand in den 1970er Jahren eine neue Phase künstlerischen Schaffens, in der Fangor sich mit der Figuration auseinandersetzte. In diesem Rahmen entstanden die sogenannten TV Bilder, die sich mit der Omnipräsenz von Massenmedien und deren Rolle in unserer Art von Realitätsempfinden auseinandersetzen.

Vielleicht lag es an seinem Job als Professor auf der Farleigh Dickinson University in New Jersey, seinem erfüllten Privatleben, an den guten Verkäufen seiner Werke oder an der Aversion des Künstlers gegenüber Gruppen, dass sich Fangor nie als ein Mitglied der New Yorker Künstlerszene etablierte und auch keinen größeren Aufwand betrieb um in der Kunstszene präsent und wichtig zu erscheinen. Seine Lehrtätigkeit endete mit der Berentung und er zog nach Santa Fe. 1999 kehrte Fangor nach Polen zurück, wo er bis hin zu seinem Tod als Künstler tätig war.

In Kooperation mit der FANGOR FOUNDATION