Zachary Armstrong – White Lines

Text: Klara Niemann

Growing up with an art teacher and ceramist for a father making art was for Zachary Armstong an integral part of his life from the outset. Later on, once he had decided to become a full-time artist, he started to rework his and his brother’s old childhood drawings. In so doing, Armstrong has taken as his starting point a fascination that he shares with the great names of modern art such as Vassily Kandinsky or Pablo Picasso: the inventiveness and originality of children drawing pictures. Armstrong has extracted fundamental elements of these drawings, transformed them through a process of repetition to create new visual worlds.

This interaction with children’s drawings signifying the process of creation seems to resonate within the paintings themselves. This effect is in no small part a result of Armstrong’s particular choice of technique. While many artists many paintings distance the subjects they depict from their physical reality, Armstrong’s use of encaustic has the special effect of melding the depicted subject with the materials depicting it, creating a single, indivisible entity. When he applies the pigmented wax on canvasses he even speaks of “building” his painting. And yet even these structured works provide very little direction for the eye, let alone a clear focal point. Instead, Armstrong’s compositions become increasingly fuzzy, challenging the viewers, requiring their pupils to be in continual motion.

The white stripes in the artist’s latest works provoke a similar reaction, one which is further intensified by the almost endless juxtaposition of various elements. Repetition of images and lettering creates a and simultaneously obstinate visual and verbal vocabulary, bringing the paintings into close dialogue with each other. And yet their message remains puzzlingly vague to the viewer. The works seem to contain a coded message about the person that created them. For example, in one of the exhibited works, the letters “KEYDOSZIUS” represent the maiden name of Armstrong’s mother, interwoven with an art-historically charged depiction of the mother with child. In other works, Americana such as names and images of local shop signs become integral parts of the image, unfolding as a complex interplay of quotations on Armstrong’s canvas. Armstrong draws on global and local contexts, juxtaposing equally-weighted references to high culture, folkloric and commercial elements, replicating his own works and referencing personal narratives.

Aufgewachsen mit einem Kunstlehrer und Keramiker zum Vater, ist das Machen von Kunst schon von Beginn an fester Bestandsteil des Lebens von Zachary Armstrong. Nachdem er sich dazu entscheidet, hauptberuflich als Künstler zu arbeiten, stellen sich die ersten Erfolge bezeichnenderweise mit dem Aufarbeiten alter Kinderzeichnungen ein. Dabei nimmt Armstrong genau das zum Ausgangspunkt seiner Kunst, was bereits manche Künstler der Moderne wie Kandinsky oder Picasso fasziniert hat: die als schöpferisch und ursprünglich interpretierte Bildproduktion eines Kindes. Armstrong gelingt es, essentielle Elemente dieser Zeichnungen aufzugreifen, im Wiederholungsprozess umzuwandeln und daraus schließlich neue Bildwelten entstehen zu lassen.

Speziell an seiner Auseinandersetzung mit den Kinderzeichnungen ist, dass den Malereien ihr Entstehungsprozess noch innezuwohnen scheint. Nicht zuletzt ist die Wahl einer besonderen Technik entscheidend für diese Wirkung. Während sich bei vielen Gemälden das Gesehene von seiner physikalischen Beschaffenheit freisetzt, verleiht Armstrong durch die Technik der Enkaustik seiner Malerei die besondere Qualität, das abgebildete Motiv und das abbildende Material in einer unauflösbaren Monade zu verschmelzen. So spricht er sogar vom „Bauen“ der Gemälde, wenn die Arbeit mit dem pigmentierten Wachs auf einen teils blockartigen Bildaufbau trifft. Doch selbst in diesen strukturierten Arbeiten bietet sich dem Auge kaum Orientierung, geschweige denn ein deutlicher Fokus. Stattdessen werden Armstrongs Kompositionen zunehmend dezentralisiert und fordern eine ständige Bewegung der Pupille heraus.

Eine ähnliche Reaktion lösen die weißen Streifen auf den jüngsten Werken des Künstlers aus, verstärkt noch durch die schier endlose Aneinanderreihung der sich rezitierenden Elemente. Aus Wiederholungen von Bildern und Schriftzügen bildet sich somit ein reichhaltiges und zugleich eigensinniges Bild-Wort-Vokabular, sodass auch die Malereien untereinander in einen engen Dialog treten. Für die Betrachter*innen jedoch bleiben ihre Botschaften rätselhaft vage. In kodierter Form scheinen die Arbeiten etwas über die Person erzählen zu wollen, die sie geschaffen hat. So steht beispielsweise der Schriftzug „KEYDOSZIUS“ für den Mädchennamen Armstrongs Mutter, der in einem der ausgestellten Werke intensiv mit einer kunsthistorischen Mutter-Kind-Darstellung verknüpft wird. Weiter bindet sich das Logo von örtlichen Ladenschildern als Americana in die Bildgestaltung ein bis sich schließlich auf Armstrongs Malflächen ein komplexes Spiel aus Zitationen entspinnt. Aus globalen wie lokalen Zusammenhängen, gleichwertig nebeneinander platzierten Anspielungen von Hochkultur bis folkloristischen und kommerziellen Elementen, Wiederholungen eigener Arbeiten und Verweisen auf die eigene Identität formen Armstrongs Arbeiten den Spiegel eines Künstlers, der es in erster Linie um den Entstehungsprozess von Kunst geht.