Brian Harte – Everything you touch

by João G. Rizek

“Landscape is the work of the mind,” claimed the great historian Simon Schama. “Its scenery is built up as much from strata of memory as from layers of rock.” Be it an idyllic plain field or an obscure wasteland, landscapes are also reservoirs of references; our references, indistinguishable from our biographies. Landscapes may look beautiful and bright from a distance, like the very narrative we tell ourselves of who we are. But come closer and you’ll notice how injured and scarred its surface is, full of mysterious traces and unjustifiable marks. There’s more to a landscape than meets the eye.

It may sound a bit peculiar to classify Brian Harte’s works as landscapes. In his third exhibition with GNYP Gallery, however, Harte is clearly showing a new departure from his previous oeuvre, expanding his occupation area from the unmistakable inside to a yet ambiguous outside. According to the artist, these spaces, “act for me as metaphysical spaces, sometimes landscapes, or theatre sets to hang my thoughts or my mood in paint.” Besides, these topological characteristics — are they interiors or exteriors? — corroborates with the idea of a different kind of panorama, always seen from a medium distance.

Therefore, if we are willing to accept that landscapes can provide us with new meanings that extrapolates the definitions that were used for so long, then, perhaps, we may have found a new configuration for what the genre can imply: an opening into our minds and into the world outside, where our actions — private, political, familiar, dreamlike — unfold. But what is exactly unfolding in these canvases?

Harte’s family is somehow there, making their appearance in stealth mode, discretely. There is someone there, no doubt about it, although you never know exactly who, or what they are actually doing. There may be also a specter of a bottle. The sketch of a chair. The suggestion of some activities. However, that’s about all we are granted to absorb. When you look again, the setting may have changed. The objects, displaced. The emotional climate, shifted. Can there be a more accurate approximation to the world of the mind? Of the family bubble we all experience, in a way or another? Nothing is stable. It never was.

The beautiful colors employed in these canvases, the warm radiance of tones, essays a familial environment, even if an unclear one. Yet, the proximity between persons and objects, their fluid presence, is granted unrestraint freedom, for the spaces are always full of breath. Even if sometimes, as in Son and Kilter, a closeup follows.

Brian Harte’s paintings are loaded with references, tiny openings that show as much of his inner world as of things outside of it: the dynamic and dreams and mysteries of everyday life. The starting point for these works may be controlled; the results, endless. The core is the infinite variety contained in the spaces where the theater of our lives blossom. The landscapes of our souls.

„Bevor die Landschaft je ein Refugium für die Sinne werden kann, ist sie schon das Werk des Geistes“, bekundete der bedeutende Historiker Simon Schama. „Ihre Szenerie ist ebenso aus Schichten der Erinnerung zusammengesetzt wie aus Gesteinsschichten.“ Ob ein idyllisches einfaches Feld oder ein dunkles Ödland, Landschaften sind auch Reservoirs von Referenzen; unsere Referenzen, die nicht zu unterscheiden sind von unseren Biografien. Landschaften mögen aus der Ferne schön und heiter aussehen, wie Geschichten, mit denen wir uns selbst erzählen, wer wir sind. Aber beim Näherkommen lässt sich feststellen, wie verletzt und vernarbt die Oberfläche ist, voller mysteriöser Zeichen und nicht zu rechtfertigender Spuren. Hinter einer Landschaft steckt oft mehr, als man auf Anhieb erkennen kann.

Es mag etwas eigenartig klingen, Brian Hartes Werke als Landschaften zu klassifizieren. In seiner dritten Ausstellung mit der GNYP Gallery kehrt sich Harte jedoch deutlich von seinem früheren Werk ab und erweitert sein Beschäftigungsfeld vom unverwechselbaren Inneren hin zu einem noch zweideutigen Äußeren. Laut dem Künstler „wirken diese Räume für mich als metaphysische Räume, manchmal als Landschaften oder Theaterkulissen, um meine Gedanken oder meine Stimmung in Farbe zu hängen.“ Außerdem bestätigen diese topologischen Eigenschaften—sind sie Innen- oder Außenräume?—die Idee eines anderen Panoramas, immer aus mittlerer Entfernung gesehen.

Wenn wir bereit sind zu akzeptieren, dass Landschaften uns neue Bedeutungen bieten können, die lange verwendete Definitionen extrapolieren, dann haben wir vielleicht eine neue Konfiguration für das gefunden, was das Genre bedeuten kann: eine Öffnung in unseren Geist und in die Außenwelt, wo sich unsere Handlungen—privat, politisch, vertraut, traumähnlich—entfalten. Aber was genau entfaltet sich auf diesen Leinwänden?

Hartes Familie ist irgendwie da und tritt diskret im Heimlichkeitsmodus auf. Es ist zweifellos jemand da, obwohl man nie genau weiß, wer oder was sie tatsächlich tun. Es kann Schemen einer Flasche geben. Die Skizze eines Stuhls. Die Andeutung einiger Aktivitäten. Das ist jedoch alles, was wir aufnehmen dürfen. Beim erneuten Hinschauen kann sich die Szenerie geändert haben. Die Objekte verschoben. Das emotionale Klima verändert. Kann es eine genauere Annäherung an die Welt des Geistes geben? Von der Familienblase, die wir alle auf die eine oder andere Weise erleben? Nichts ist stabil. Das war es nie.

Die schönen Farben, die in diesen Leinwänden verwendet werden, die warme Ausstrahlung von Tönen, bilden eine familiäre Umgebung, auch wenn sie unklar ist. Die Nähe zwischen Personen und Gegenständen, ihre fließende Präsenz, gewährt jedoch uneingeschränkte Freiheit, denn die Räume sind immer voller Atem. Auch wenn manchmal, wie bei Son und Kilter, eine Nahaufnahme folgt.

Brian Hartes Gemälde sind voller Referenzen, winziger Öffnungen, die so viel von seiner inneren Welt wie von Dingen außerhalb zeigen: die Dynamik und Träume und Geheimnisse des Alltags. Der Ausgangspunkt für diese Arbeiten kann gesteuert werden; die Ergebnisse sind endlos. Der Kern ist die unendliche Vielfalt, die in den Räumen enthalten ist, in denen das Theater unseres Lebens blüht. Die Landschaften unserer Seelen.