Danica Lundy – bleach cologne

by João G. Rizek

The motion is ceaseless. There is a lot going on, everywhere: tiny details, menacing gestures, surrealistic choreographies. It seems like the whole world is compressed in these canvases, squeezed in so little space. The perspective keeps shifting and the eye can’t find a resting spot. What’s going on here? Hastily, we look for something, not yet knowing what. We engage with the possible meaning of these paintings – to no avail, at first. Maybe we need to look closer, or from a distance. There must be an answer; the clue might be lying somewhere – the ultimate interpretation for what looks like a dream, a hallucination, perhaps just an ordinary event –, it’s just a matter of finding it. But we stall. We feel claustrophobic, overwhelmed. And then the motion starts all over again.

It wouldn’t be an exaggeration to say that Danica Lundy’s paintings try to embrace a whole culture. From her influences – ranging from Michelangelo’s sculptures to Kara Walker, TV series, and beyond – to her palette – with its radiance of darker tones –, that is, from her starting points and intentions to the form of her works, Lundy’s art is about our shared world in all its complexity. It seems that, if not everything, there’s a lot there: sexual tension, contemporary introspection, pop culture, the old masters’ tradition, and, obviously, art itself. Immersed in this uncontrolled whirlwind of references, Lundy faces them relentlessly, paying homage to all she encounters through her cunning technical expertise. Nothing is left behind; hence our wandering gaze.

Nonetheless, even when the motion of colours, objects, and moods in Lundy’s paintings reminds us that our culture is made of constant tension; even when this tension unfolds in a suffocating fashion and it seems that there is no way out, then, at this very moment, the artist gives us a helping hand: right there, reflected in the shade of the desk lamp we see her, painting, in complete control of the situation, apart in her own world. A world that is also our world, in all its chaos, confusion and beauty. We are in this together.

Broadly speaking, there are two types of artistic practice. On one hand, there are works whose ultimate purpose is to remind us of the gruesome reality around us, works whose premise is to wake us up through shock. Such was the poetics of, among others, the Dada movement. On the other hand, there are artistic practices that tries to make us forget about the outside world by pushing us for a hedonistic plunge into the endless world of colours and sublime attractiveness. Think of Yves Klein, for instance.

There is, however, a third way, a mixture of these two tendencies. It operates by showing us that however strange, there is interesting – and even beautiful – things in our everyday struggles. It brings awakening through stunning detail and gorgeous formulations, not by violent thuds (although that may arouse at some point). That’s where Danica Lundy’s work is situated. The hint provided by her paintings, if there is ever one, is that beauty and madness and the menacing rhythm of our contemporary world are intertwined. By accepting the chaos, we accept our condition, as depicted in these canvases.

Die Bewegung ist unablässig. Es ist viel los, überall: Winzige Details, bedrohliche Gesten, surrealistische Choreographien. Es scheint, als ob die ganze Welt in diesen Leinwänden komprimiert ist, zusammengepresst auf so wenig Raum. Die Perspektive verschiebt sich andauernd und das Auge findet keinen Ruhepol. Was geht hier vor sich? In aller Eile suchen wir etwas, ohne zu wissen, was. Wir beschäftigen uns mit der möglichen Bedeutung dieser Bilder – zunächst vergeblich. Vielleicht müssen wir genauer hinsehen, oder aus der Distanz heraus. Es muss eine Antwort geben; der Hinweis könnte dort irgendwo liegen – die ultimative Interpretation für etwas, das wie ein Traum aussieht, eine Halluzination, vielleicht nur ein gewöhnliches Ereignis -, es geht allein darum, ihn zu finden. Doch wir blockieren. Wir fühlen uns klaustrophobisch, überwältigt. Und dann beginnt die Bewegung wieder von Neuem.

Es wäre nicht übertrieben zu sagen, dass Danica Lundys Gemälde versuchen, eine ganze Kultur zu umarmen. Von ihren Einflüssen – von Michelangelos Skulpturen bis hin zu Kara Walker, Fernsehserien und darüber hinaus – bis hin zu ihrer Palette – dem Strahlen dunkler Töne -, das heißt, von ihren Ausgangspunkten und Absichten bis hin zur Form ihrer Werke, geht es in Lundys Kunst um unsere gemeinsame Welt in ihrer ganzen Komplexität. Es scheint, dass, wenn nicht alles, so doch vieles präsent ist: Sexuelle Spannung, zeitgenössische Selbstbeobachtung, Popkultur, die Tradition der alten Meister und natürlich die Kunst selbst. Vertieft in diesen unkontrollierten Wirbelsturm von Verweisen stellt Lundy sich ihnen unermüdlich und huldigt allem, dem sie begegnet, durch ihre raffinierte technische Expertise. Nichts bleibt zurück; daher unser wandernder Blick.

Doch selbst wenn die Bewegung der Farben, Objekte und Stimmungen in Lundys Bildern uns daran erinnert, dass unsere Kultur aus einer ständigen Spannung besteht; selbst wenn sich diese Spannung auf erstickende Weise entfaltet und es keinen Ausweg zu geben scheint, dann – genau in diesem Moment – gibt uns die Künstlerin eine helfende Hand: Genau dort, gespiegelt im Schatten der Schreibtischlampe, sehen wir sie, malend, in völliger Kontrolle der Situation, getrennt von ihrer eigenen Welt. Eine Welt, die auch unsere Welt ist, in all ihrem Chaos, ihrer Verwirrung und ihrer Schönheit. Wir sitzen alle im selben Boot.

Im Großen und Ganzen gibt es zwei Arten der künstlerischen Praxis. Auf der einen Seite gibt es Werke, deren ultimativer Zweck darin besteht, uns an die grausame Realität um uns herum zu erinnern, Werke, deren Prämisse es ist, uns mit einem Schock aufzuwecken. Das war unter anderem die Poetik der Dada-Bewegung. Auf der anderen Seite gibt es künstlerische Praktiken, die versuchen, uns die Außenwelt vergessen zu lassen, indem sie uns zu einem hedonistischen Sprung in die endlose Welt der Farben und der erhabenen Attraktivität drängen. Man denke zum Beispiel an Yves Klein.

Es gibt jedoch noch einen dritten Weg, eine Mischung aus diesen beiden Tendenzen. Er funktioniert, indem er uns zeigt, dass es, wie seltsam auch immer, interessante – und sogar schöne – Dinge in unseren Alltagskämpfen gibt. Er führt zu einem Erwachen durch überwältigende Details und prachtvolle Ausgestaltungen, statt durch dumpfe Schläge (obwohl dies auch irgendwann hervorgerufen werden könnte). Darin liegt das Schaffen von Danica Lundy. Der Hinweis, den ihre Gemälde geben – falls es überhaupt einen gibt – ist, dass Schönheit und Wahnsinn und der bedrohliche Rhythmus unserer modernen Welt miteinander verflochten sind. Indem wir das Chaos akzeptieren, akzeptieren wir unseren Zustand, wie er auf diesen Gemälden dargestellt wird.