Habib Farajabadi
Monotone

Text: Klara Niemann

Habib Farajabadi’s works have a special kind of pull. At first glance, the paintings exhibited here may appear uniform or monotonous because of their similarity of form and technique. Deep within however, they are based on a skilful sophistication and an expertise that calls for closer study. Their apparent monotony challenges the viewer to break through it. It is difficult to confront Farajabadi’s paintings without scrutinising them in detail and trying to get to the bottom of their sometimes chaotic structures. As you attempt to trace and decrypt his order of lines, you suddenly spot figures, shoe prints and even an entangled collection of indecipherable letters. They shift, crystallising into unfamiliar hieroglyphs and shapes, insisting to different degrees on the symbolic yet unknown meaning they seek to convey. Farajabadi’s images speak – but in a foreign and yet somehow familiar, universal language. In a way, these indefinable structures recall the scribbles and scrawls we see in metro stations, at bus stops or on park benches: sometimes scratched brutally into the wood or varnish. Their design vocabulary is almost universal: everyone knows it; it has been branded, albeit blurrily, into our visual memory. But its meaning remains elusive, just as it probably is to their creators. These scrawls become clues to the act of creation, to the way they were made, rather than to what they may represent.

Ultimately, it is the abstract that has become the most formative element of Farajabadi’s art. It is not about abstracting ourselves from the realities or images that surround us; it is about working abstractly from the ground up, working from a subconscious impulse using the tools that are available to us. This springs from a practical maturity and a visual memory that soaks up everything, both of which Farajabadi has developed as a self-taught artist, constantly experimenting and playing with shapes, lines, colour and materials. Thus, the whole process of creation in the studio, both material and immaterial, becomes part of the work: everything can be seen in the work. In this way, much like street art scrawls, the experience of the artistic process can be felt more strongly in the image. The artistic practice becomes its own subject.

By using only a few colours, Farajabadi has made sure that the materiality of the colour reveals its own particular quality. Our attention thus necessarily turns more to the nature and character of the work, and the surface thus gains its own special charm. This applies both to the artist’s paintings and his sculptures. They develop not only a congruity of colour and material, but also of form. For, in a number of ways, Farajabadi’s two vastly different art forms draw on the space around him, feeding off impressions of the city, graffiti, posters, books or art, or springing more directly from found material. Farajabadi makes all this – his work process and the images that influence him – accessible and relatable through the social media platform Instagram. Here, he documents and shares his artistic practice, and uses cross border networking to open the world up to him as an Iranian and conversely, to absorb broader perspectives himself.

Von Habib Farajabadis Arbeiten geht eine spezielle Anziehungskraft aus. Auf den ersten Blick können seine hier ausgestellten Gemälde aufgrund ihrer formalen, technischen Ähnlichkeit einförmig oder „monoton“ wirken. Jedoch liegt ihnen eine tiefe, praktische Raffinesse und Expertise zugrunde, die ihre Erforschung mit dem Auge einfordert. Ihre scheinbare Monotonie fordert dazu heraus, durchbrochen zu werden. So fällt es schwer, seinen Gemälden gegenüberzutreten, ohne sie genauer unter die Lupe nehmen und ihre teils wirren Strukturen bis in die Tiefe ergründen zu wollen. Beim Versuch, die Linienführung darin zu verfolgen und zu entschlüsseln, tauchen dann ganz plötzlich Figuren, Schuhabdrücke oder Verschlingungen von unentschlüsselbaren Schriftzeichen auf. Sie changieren zwischen sich herauskristallisierenden, unbekannten Hieroglyphen und Formen, die mehr oder weniger nachdrücklich einen symbolischen, aber unbekannten Gehalt zu vermitteln suchen. Farajabadis Bilder sprechen – jedoch in einer fremden, doch irgendwie auch vertrauten und universalen Sprache. In gewisser Weise erinnern die undefinierbaren Strukturen darauf an die Kritzeleien, denen man in U-Bahnhöfen, an Haltestellen oder auf Parkbänken, teilweise auf brutale Weise ins Holz oder in den Lack geritzt, begegnen kann. Ihre Formensprache ist quasi universal, jeder kennt sie, hat sie auf verschwommene Art eingebrannt ins Bildgedächtnis. Doch ihre Bedeutung bleibt – wie wahrscheinlich auch ihren Machern – unbekannt. Sie werden zu Spuren, die die Materialität oder den Akt ihres Entstehens vor ein mögliches Dargestelltes stellen.

Schließlich ist es das Abstrakte, was sich zum prägenden Element in Farajabadis Kunst entwickelt hat. Dabei geht es nicht um das Abstrahieren von den uns umgebenden Realitäten oder Bildern, sondern um das von Grund auf abstrakte Arbeiten aus einem unterbewussten Impuls und dem vorhandenen Werkzeug heraus. Dies entspringt einer praktischen Reife und einem alles aufsaugenden Bildgedächtnis, die Farajabadi beide als Autodidakt aus dem ständigen Umgang und Experimentieren mit Formen, Linien, Farben und Werkstoffen entwickelt hat. Damit wird die Werkstattpraxis als Gesamtes konstitutiv für das Werk und äußert sich darin mit all ihren materiellen und immateriellen Prozessen. Auf diese Weise steigert sich, ähnlich der Straßenkritzeleien, das Erleben und Erfahren des vorangegangenen künstlerischen Arbeitsprozesses im Bild. Die künstlerische Praxis wird zu ihrem eigenen Thema.

Indem er außerdem nur wenig verschiedene Farben verwendet, entfaltet die Materialität der Farbe selbst ihre ganz eigene Qualität. Die Aufmerksamkeit wendet sich so mehr der Beschaffenheit des Werks zu, wodurch die Oberfläche ihren besonderen Reiz erhält. Dies gilt für die Gemälde sowie auch die Plastiken des Künstlers. Zwischen ihnen bilden sich aber nicht nur diese farbmateriellen, sondern auch formale Korrespondenzen aus. Denn auf unterschiedliche Weise zehren beide noch so verschiedenen Kunstformen bei Farajabadi vom ihn umgebenden Raum, indem sie sich aus Eindrücken von Stadt, Graffiti, Postern, Büchern und Kunst speisen oder auf direkterem Wege gefundenem Material entspringen. Dies alles – seine Arbeitsprozesse und die ihn beeinflussenden Bilder – macht Farajabadi darüber hinaus über die social media Plattform instagram zugänglich und nachvollziehbar. Dort dokumentiert und teilt er seine Kunstpraxis und nutzt die grenzüberschreitende Vernetzung, um sich als Iraner der Welt öffnen und sie sich im Gegenzug in einem breiteren Spektrum aneignen zu können.