Hadi Fallapisheh

by GNYP Gallery

GNYP Gallery is delighted to present the first exhibition in Europe of the Iranian artist Hadi Fallahpisheh (born 1987). Fallahpisheh, a recipient of the Bard College scholarship who currently lives and works in New York, explores the possibilities of the photographic medium as a construction and a translation of meanings and values.

His recent series, which he presents in Berlin, grew out of the idea of a “mockumentary” and parafiction. This project centers on the term Hadji, a fictional Middle Eastern character, who carries the title that was originally given to a Muslim person who has successfully completed the annual pilgrimage to Mecca, the Hajj, and in the meantime has become a common way of addressing any older Muslim. Recently, however, the term Hadji has developed into a derogatory term to denounce Iraqis, Arabs, Afghans, or Middle Eastern people in general; a symbol of a specific traditional lifestyle, formed by the media into a cliché of the simple-minded religious person.

Fallahpisheh instrumentalizes the term Hadji to provoke critical discussion of the issue of “Middle Easterness,” as a material, constituent and as a socio-historical representation. His first name Hadi is similar in pronunciation and spelling to this term, which the artist took as an opportunity – both as author and as a fictional character – to explore cultural and social (mis)constructions. Navigating through remembering, rediscovering, and again re-forgetting the repressed, the artistic process offers many moments where positions between the Hadji and Hadi shift or switch. Found prayer rug jpegs from the Internet are downloaded, printed to a negative form and exposed through an enlarger in the darkroom onto the light-sensitive photographic paper. In complete darkness, Hadi then puts six pieces of paper together in order to create a larger tableau, which is similar to the size of a formal prayer rug and just big enough to kneel above the fringe on one end and bend down. Reworking the photographic paper in the darkroom on the floor is a ritualistic warm-up for the artist akin to praying for the Hadji. The artist writes texts and draws on the designed photographic sheets using color markers and flashlights. This is the moment when the Hadji gets a life as an ambiguous representation of Middle Easternness. At the same time, the creative process forms a response to artist’s intimate world, in communion with contemporary life, rather than reacting to cultural or institutional demands.

Central to this series is the notion of the translation of images rather than appropriation. While appropriation forms an act of aggression, a hostile take-over, a translation has the seemingly practical purpose of mediation through the translator who functions as a medium, an in-between. As such, his power is of a different kind: it is more subtle and tricky since both sides of “translation” don’t actually know how their values, words, images are being converted. Through re-creations, re-making, re-presenting, and re-valuing Fallahpisheh lays bare mechanisms of miscommunication and misinterpretation.

The other element essential to this series is the joke. Fallahpisheh embraces the joke of which the primary function is, to quote Glenn O’Brien, “criticism with a vengeance. A revolution of the mind. Rearrangement of social orders by altering people’s perceptions. The transformations of the serious into the funny.”

GNYP Gallery freut sich, die erste Ausstellung des iranischen Künstlers Hadi Fallahpisheh (geb. 1987) in Europa zu präsentieren. Fallahpisheh, ein Stipendiat des Bard College, der derzeit in New York lebt und arbeitet, erforscht die Möglichkeiten des fotografischen Mediums als Konstruktion und Übersetzung von Bedeutungen und Werten.

Seine jüngste Serie, welche er in Berlin präsentiert, entstand aus der Idee einer „Mockumentary“ und einer Parafiktion. Im Zentrum dieses Projekts steht der Begriff Hadschi, eine fiktive Figur aus dem Nahen Osten, die den Titel trägt, der ursprünglich einer muslimischen Person gegeben wurde, welche die jährliche Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch, erfolgreich abgeschlossen hat, und die inzwischen zu einer gebräuchlichen Anrede für alle älteren Muslime geworden ist. In jüngster Zeit hat sich der Begriff Hadschi jedoch zu einem abwertenden Begriff entwickelt, um Iraker, Araber, Afghanen oder Menschen aus dem Nahen Osten im Allgemeinen zu denunzieren; ein Symbol für einen spezifischen, traditionellen Lebensstil, der von den Medien zu einem Klischee des einfältigen religiösen Menschen geformt wurde.

Fallahpisheh instrumentalisiert den Begriff Hadschi, um eine kritische Diskussion über die Frage der „Nahöstlichkeit“ als materielle, konstituierende und sozio-historische Repräsentation zu provozieren. Sein Vorname Hadi ähnelt diesem Begriff (eng.: Hadji) in Aussprache und Schreibweise, was der Künstler zum Anlass nahm – sowohl als Autor als auch als fiktiver Charakter – kulturelle und soziale (Fehl-)Konstruktionen zu erforschen. Durch das Erinnern, das Wiederentdecken und das erneute Vergessen des Verdrängten navigierend, bietet der künstlerische Prozess viele Momente, in denen sich die Positionen zwischen Hadschi und Hadi verschieben oder wechseln. Zusammengetragene Gebetsteppich-Jpegs aus dem Internet werden heruntergeladen, in eine Negativform gedruckt und durch ein Vergrößerungsgerät in der Dunkelkammer auf das lichtempfindliche Fotopapier belichtet. In völliger Dunkelheit fügt Hadi dann sechs Papierstücke zusammen, um ein größeres Tableau zu schaffen, welches der Größe eines formalen Gebetsteppichs ähnelt und gerade groß genug ist, um an einem Ende über dem Rand zu knien und sich zu bücken. Das Überarbeiten des Fotopapiers in der Dunkelkammer auf dem Boden ist ein rituelles Aufwärmen für den Künstler, ähnlich wie das Beten für den Hadschi. Der Künstler schreibt Texte und zeichnet mit Farbstiften und mithilfe von Taschenlampen auf die entworfenen Fotoblätter. Dies ist der Moment, in dem der Hadschi ein Leben als zweideutige Repräsentation des nahöstlichen Lebens erhält. Gleichzeitig bildet der kreative Prozess eher eine Antwort auf die intime Welt des Künstlers, in Verbundenheit mit dem zeitgenössischen Leben, als auf kulturelle oder institutionelle Forderungen zu reagieren.

Im Mittelpunkt dieser Serie steht eher der Begriff der Übersetzung von Bildern als deren Aneignung. Während Aneignung einen Akt der Aggression, eine feindliche Übernahme darstellt, hat eine Übersetzung den scheinbar praktischen Zweck der Vermittlung durch den Übersetzer, der als Medium fungiert, als ein Dazwischen. Als solcher ist seine Macht von anderer Art: Sie ist subtiler und verzwickter, da beide Seiten der „Übersetzung“ nicht wirklich wissen, wie ihre Werte, Worte und Bilder umgewandelt werden. Durch Neuschöpfungen, Neugestaltung, Neupräsentation und Neubewertung legt Fallahpisheh Mechanismen der Fehlkommunikation und Fehlinterpretation offen.

Das andere wesentliche Element dieser Serie ist der Witz. Fallahpisheh umarmt den Witz, dessen Hauptfunktion ist, um Glenn O’Brien zu zitieren, „Kritik mit Vehemenz. Eine Revolution des Geistes. Neuordnung sozialer Ordnungen durch Veränderung der Wahrnehmungen der Menschen. Die Transformation des Ernsten in das Witzige.“